Schieblehre und Messschieber bezeichnen dasselbe Messgerät. Messschieber ist der Begriff der Norm, Schieblehre (regional auch Schublehre) der umgangssprachliche Name. Welches Gerät das richtige ist, entscheidet deshalb nicht der Name, sondern die Bauart: Soll die Ablesung analog über den Nonius oder digital erfolgen, und welcher Messbereich wird gebraucht? Dazu kommt die Frage, wie Sie das Ergebnis fehlerfrei ablesen.
Welcher Messschieber passt zu welcher Aufgabe?
Die Übersicht ordnet typische Aufgaben dem passenden Modell zu.
|
Ihre Aufgabe |
Passende Bauart |
Modell |
Ablesung / Messbereich |
|---|---|---|---|
|
Messen in Werkstatt und Haushalt ohne Batterie, Toleranzen im Zehntelmillimeterbereich |
Analog mit Nonius |
0,05 mm, 150 mm |
|
|
Schnelles Ablesen ohne Zählfehler, Wechsel zwischen mm und Zoll, Vergleichsmessungen |
Digital, Messbereich 150 mm |
0,01 mm, 150 mm |
|
|
Große Werkstücke wie Wellen, Rohre oder Plattenstärken bis 300 mm |
Digital, großer Messbereich |
0,01 mm bzw. 0,0005 Zoll, 300 mm |
Schieblehre oder Messschieber: Woher kommen die Begriffe?
Messschieber ist die genormte Bezeichnung. DIN EN ISO 13385-1 legt Konstruktionsmerkmale und messtechnische Merkmale fest, Teil 2 behandelt den Tiefenmessschieber. Zuvor war in Deutschland über Jahrzehnte DIN 862 maßgeblich; sie wurde zurückgezogen, ihre Grenzwerte für Messabweichungen stehen heute in DIN EN ISO 13385-1. In Produktbeschreibungen taucht DIN 862 dennoch weiter auf, auch bei den BETA-Modellen auf dieser Seite, die beide Normen nennen.
Der Name Schieblehre beschreibt den Aufbau: Ein Schieber gleitet an einer Lehre, der Hauptskala, entlang. Als Nonius bezeichnet man nicht das Gerät, sondern die Hilfsskala auf dem Schieber, mit der sich Bruchteile eines Millimeters ablesen lassen. Im Handel finden Sie beide Begriffe: Die Produktnamen sagen „Schieblehre“, die Kategorien heißen Messschieber und Messschieber digital.
Aufbau: Außen-, Innen- und Tiefenmessung
Ein Universal-Messschieber erfasst drei Maßarten mit einem Gerät. Mit den großen Messschenkeln messen Sie Außenmaße, etwa den Durchmesser einer Welle. Die kleineren Schnäbel an der Oberseite greifen in Bohrungen und Nuten und liefern das Innenmaß; die Schnabeldicke ist bei modernen Geräten in der Regel schon in der Skala berücksichtigt, Sie lesen also direkt ab. Der Tiefenmessstab am Schieberende misst Absätze und Sacklöcher. Die Feststellschraube fixiert den Schieber, damit sich der Wert beim Abnehmen vom Werkstück nicht verschiebt.
Analog oder digital: Welche Ablesung passt?
Beide Bauarten messen mechanisch nach demselben Prinzip und unterscheiden sich in Anzeige und Handhabung.
|
Kriterium |
Analog (Nonius) |
Digital |
|---|---|---|
|
Ablesung |
Strichvergleich am Nonius, Teilungswert 0,05 mm |
Ziffernanzeige, Schrittwert 0,01 mm |
|
Fehlerquelle |
Strichzählung und Blickwinkel können das Ergebnis verfälschen |
Wert direkt lesbar; Fehler entstehen vor allem durch einen falsch gesetzten Nullpunkt |
|
Energie |
Keine |
Batterie erforderlich |
|
Umgebung |
Unempfindlich gegen Feuchtigkeit und Öl, Skala sauber halten |
Elektronik vor Kühlschmierstoff und Nässe schützen, sofern der Hersteller keine Schutzart angibt |
|
Zusatzfunktionen |
Je nach Modell zusätzliche Zollteilung, etwa 1/128 Zoll |
Je nach Modell Umschaltung mm/Zoll und Nullsetzen in beliebiger Position |
|
Typischer Einsatz |
Montage, Werkstatt, gelegentliches Messen |
Häufiges Messen, Serienprüfung, Vergleichsmaße |
Ablesung ist nicht gleich Genauigkeit. Der Ziffernschrittwert von 0,01 mm sagt, wie fein die Anzeige auflöst, nicht, wie genau gemessen wird. Die zulässige Abweichung, die Fehlergrenze, nennt der Hersteller im Datenblatt; DIN EN ISO 13385-1 regelt ihre Prüfung. Bei digitalen Modellen liegt sie in der Regel über dem Ziffernschritt. Auch beim Nonius beschreibt die Angabe 0,05 mm nur die kleinste ablesbare Einheit.
Als Faustregel gilt: Das Messmittel sollte deutlich genauer sein als die Toleranz, die Sie prüfen, in der Praxis etwa um den Faktor 5 bis 10. Für Toleranzen im Zehntelmillimeterbereich ist der Messschieber das passende Werkzeug; bei engeren Toleranzen greifen Fachleute zur Bügelmessschraube.
Messbereich: 150 mm oder 300 mm?
Der Messbereich legt fest, wie groß das Werkstück höchstens sein darf. 150 mm genügen für die meisten Aufgaben in Werkstatt und Montage, etwa für Schraubendurchmesser, Bohrungen, Blechstärken und Wellenzapfen. 300 mm brauchen Sie bei langen Werkstücken sowie größeren Rohr- und Wellendurchmessern. Längere Messschieber sind schwerer und bei kleinen Teilen unhandlicher; bei gleicher Bauart wachsen außerdem in der Regel die zulässigen Abweichungen mit dem Messbereich. Für kleine Teile ist daher der kürzere Messschieber die bessere Wahl.
Die drei Modelle im Detail
BETA 1650/150, analog. Messbereich 150 mm, Ablesung 0,05 mm (1/20 mm) sowie 1/128 Zoll, Länge 235 mm bei 170 g. Der Messschieber kommt ohne Batterie aus und deckt alltägliche Messaufgaben ab. Wer mehr Reichweite braucht, findet das Modell auch mit 200 mm Messbereich.
BETA 1651DGTB/150, digital. Anzeige in 0,01-mm-Schritten, umschaltbar zwischen Millimeter und Zoll. Der Nullpunkt lässt sich in beliebiger Position setzen, sodass Sie Maßunterschiede zwischen zwei Werkstücken direkt ablesen. Dazu kommen Feststellschraube, Tiefenmessstab und ein Etui aus Hartkunststoff. Verfügbar ist die Baureihe in 150, 200 und 300 mm.
BETA 1654DGT, digital mit 300 mm. Messbereich 300 mm, Ablesung 0,01 mm beziehungsweise 0,0005 Zoll, Länge 410 mm bei 210 g, Profilabmessungen 20 × 4 mm. Er ist die Wahl, wenn Werkstücke über 150 mm gemessen werden.
Messschieber richtig ablesen
Beim Nonius-Messschieber lesen Sie zuerst die ganzen Millimeter links von der Nulllinie des Nonius auf der Hauptskala ab. Dann suchen Sie den Noniusstrich, der sich exakt mit einem Strich der Hauptskala deckt. Seine Nummer mal Teilungswert (0,05 mm) ergibt die Nachkommastellen.
Analogen Messschieber ablesen, Schritt für Schritt
- Nullpunkt prüfen: Schenkel schließen. Die Nulllinien von Nonius und Hauptskala müssen sich decken.
- Messen: Messschenkel rechtwinklig anlegen und den Schieber mit leichtem, gleichmäßigem Druck heranführen. Bei Bedarf die Feststellschraube anziehen.
- Ganze Millimeter ablesen: Wert auf der Hauptskala direkt links der Nulllinie des Nonius.
- Nachkommastelle ablesen: Den Noniusstrich suchen, der sich genau mit einem Hauptskalenstrich deckt. Die beschrifteten Striche 0 bis 10 stehen für Zehntel, die Striche dazwischen für 0,05 mm.
- Addieren: Ganze Millimeter plus Nachkommastelle ergeben das Maß.

Im Beispiel liegt die Nulllinie des Nonius zwischen 23 und 24 mm. Der siebte Noniusstrich, er liegt zwischen den Zahlen 3 und 4, deckt sich mit der Hauptskala: 7 × 0,05 mm = 0,35 mm. Das Maß beträgt 23,35 mm. Das Prinzip dahinter: Bei der gängigen Ausführung teilt der Nonius 19 mm der Hauptskala in 20 Abschnitte von 0,95 mm, jeder Strich weiter verschiebt die Lage also um 0,05 mm.
Digitalen Messschieber ablesen
Beim Digitalmodell erscheint der Wert direkt im Display. Schließen Sie vor der Messung die Schenkel und setzen Sie die Anzeige auf null. Kontrollieren Sie außerdem die eingestellte Einheit, denn eine versehentlich auf Zoll stehende Anzeige führt zu Verwechslungen.
Typische Ablesefehler vermeiden
- Schräger Blick: Betrachten Sie die Skala senkrecht, sonst entsteht ein Parallaxenfehler.
- Verkanten: Wird der Messschieber nicht rechtwinklig angelegt, fällt das Maß zu groß aus.
- Zu viel Druck: Starkes Anpressen verbiegt die Schnäbel und verfälscht den Wert.
- Verschmutzte Messflächen: Späne, Öl und Grat müssen vor der Messung entfernt werden.
- Warmes Werkstück: Die Bezugstemperatur für Längenmessungen beträgt 20 °C (DIN EN ISO 1). Frisch gedrehte oder gefräste Teile sollten zuerst abkühlen.
Pflege und Prüfung
Reinigen Sie die Messflächen nach der Arbeit mit einem weichen Tuch und lagern Sie den Messschieber geschützt, am besten im Etui. Kontrollieren Sie regelmäßig den Nullpunkt und prüfen Sie mit einem Endmaß oder Prüfstück bekannter Größe, ob die Anzeige noch stimmt. In Betrieben mit Prüfmittelüberwachung gehört der Messschieber in den Kalibrierplan. Weitere Messgeräte für den Werkstattalltag stellt unser Ratgeber [LINK: Ratgeber „Messwerkzeuge in der Werkstatt“ – URL einsetzen] vor.
Was ist der Unterschied zwischen Schieblehre und Messschieber?
Es gibt keinen technischen Unterschied. Messschieber ist die genormte Bezeichnung nach DIN EN ISO 13385-1, Schieblehre und regional Schublehre sind umgangssprachliche Namen für dasselbe Gerät.
Wie liest man einen Messschieber richtig ab?
Lesen Sie die ganzen Millimeter links der Nulllinie des Nonius ab und addieren Sie die Nummer des deckungsgleichen Noniusstrichs mal 0,05 mm. Beispiel: 23 mm + 7 × 0,05 mm = 23,35 mm. Digitale Modelle zeigen den Wert direkt an.
Wie genau ist ein Messschieber: 0,05 mm oder 0,01 mm?
0,05 mm ist der Teilungswert des Nonius, 0,01 mm der Ziffernschritt digitaler Modelle. Beides beschreibt die Ablesung, nicht die Genauigkeit. Die Fehlergrenze nennt der Hersteller im Datenblatt, geprüft wird nach DIN EN ISO 13385-1.
Ist ein digitaler Messschieber besser als ein analoger?
Nicht grundsätzlich. Digital liest sich schneller und ohne Zählfehler und bietet Zollumschaltung und Nullsetzen. Analog kommt ohne Batterie aus und ist unabhängig von Elektronik. Entscheidend ist, wie oft Sie messen und wie eng die Toleranzen sind.
Welchen Messbereich brauche ich: 150 mm oder 300 mm?
Für die meisten Aufgaben genügen 150 mm. 300 mm lohnen sich bei großen Wellen, Rohren oder Platten; für kleine Teile ist der kürzere Messschieber handlicher.
Wie prüfe ich, ob mein Messschieber noch richtig misst?
Schließen Sie die Schenkel und kontrollieren Sie den Nullpunkt, messen Sie dann ein Endmaß oder Prüfstück bekannter Größe. Bei Abweichungen reinigen Sie zuerst die Messflächen und wiederholen die Prüfung. Bleibt die Abweichung, gehört das Gerät zur Kalibrierung.

